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Damit das Eigenheim kein Traum bleibt

Inspiration Nur das nötige Kleingeld zu haben, reicht heute nicht mehr aus. Wer ein Haus bauen will, muss bestens informiert sein. Um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden, gibt es die Bauprojektierung. Experte Daniel Hurni gewährt einen Einblick.

Matthias Mehl

Haus, Garten und am besten noch eine Terrasse – früher war es selbstverständlich, dass jede Familie ihre eigenen vier Wände hatte. Heute sieht es hingegen anders aus. Denn ein Haus zu bauen kann manche Person an ihre Grenze bringen. Dabei denkt man gleich an die Finanzierung, was auch völlig berechtigt ist. Jedoch darf ein weiterer wichtiger Punkt nicht ausser Acht gelassen werden: die Bauprojektierung. Ist meine Idee zum vorgegebenen Budget realisierbar? Ist diese Bauzone geeignet für mein Traumhaus? Und darf ich an dieser Stelle überhaupt bauen (Bodenbeschafffenheit)? Solche und weitere entscheidende Fragen müssen vor Baubeginn geklärt werden. Und genau darum geht es in der Bauprojektierung.

 

Neues aus der Branche

Daniel Hurni ist Vorstandsmitglied der Fachgruppe «Architektur und Bau Zürich» (FAB Zürich) und Mitglied von «Swiss Engineering STV». Er kennt die neuesten Entwicklungen im Bereich Bauen. «Zu den wichtigsten Innovationen gehören momentan neue Systeme für gebäudeintegrierte Photovoltaikanlagen (Energiegewinnung über Fassaden und Dächer), die Entwicklung energieeffizienter Gebäude, Lüftungssysteme, welche das maschinelle und natürliche Lüften über Fenster kombinieren, standardisierte Gebäudeautomationen und Intelligentes Wohnen – womit die technische Vernetzung im privaten Wohnbereich gemeint ist – oder auch intelligentere Bauweisen zur Reduzierung von grauer Energie bei Produktion und Verarbeitung von Baumaterialien sowie Baustoffen», erklärt er.

 

Abläufe werden automatisiert

Anbieter aus der Baubranche und Bauherren würden gemäss Hurni in der Zukunft immer mehr mit Automation konfrontiert, aber auch vermehrt wieder mit traditionellen Bauweisen – beispielsweise mit Einsteinmauerwerken ohne Aussendämmung und Lehmbauten. Es muss schneller gehen, kostengünstiger und umweltfreundlicher. «Die Vorfabrikation von Gebäudeteilen, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen und robotergestützte Leistungen für frei geformte Beton- und Holzkonstruktionen werden sich in Zukunft mehr und mehr verwirklichen», meint der Experte. Auf diese Weise könne ökonomischer und ökologischer gebaut werden. Hurni macht aber darauf aufmerksam, dass es nicht für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation sei: «Dieser Fortschritt geht zulasten von Arbeitskräften in der Produktion und auf den Baustellen.»

 

Aber auch auf ökonomischer Ebene wird die Branche vor Herausforderungen gestellt, betont Hurni. «Das Preisniveau von Arbeiten und Angebotspreisen im Gewerbe- und Privatbau wird nahezu ein dauerndes Wechselspiel sein.» Für ihn sind dafür ökonomische, staats- und gesellschaftsbedingte Fragen und Regelungen ausschlagegebend.