Porträts_Schnittfincke_Enie-082

Caroline Pitzke

«Ich habe lieber kein Sofa, als eines, das mir nicht passt»

Ob Rot, Rosa oder Orange – die schrille Moderatorin Enie van de Meiklokjes scheut keine Farben, sei es bei den Haaren oder beim Wohnen. Die gelernte Dekorateurin erklärt, wie man die eigenen vier Wände in eine Wohlfühloase verwandelt und verrät, welches Möbelstück ihr Bauchschmerzen bereitet

Matthias Mehl

Enie, in der Handwerkssendung «Wohnen nach Wunsch» trafen Sie auf Menschen mit bewegenden Schicksalen. Woran erinnern Sie sich heute noch?

Ich erinnere mich an eine Familie, deren Tochter auf einen Rollstuhl angewiesen war. Das war eine wahrhaftige Herausforderung, denn das ganze Haus musste behindertengerecht gemacht werden. Eine zusätzliche Schwierigkeit war, dass es sich dabei um ein altes Haus mit schmalen Treppen handelte. Es wurde ein spezieller Hängelift angebracht, damit das Mädchen ihr Kinderzimmer im ersten Stock selber erreichen konnte. Zudem wurden die Türöffnungen verbreitert, die Türschwellen entfernt und das komplette Badezimmer behindertengerecht umgebaut. Einerseits war ich darüber erstaunt, was handwerklich überhaupt möglich war. Andererseits war es wunderschön zu sehen, welch riesige Freude die Familie hatte und wie dankbar sie war. Alleine hätte sie das weder finanziell noch zeitlich nie geschafft.

 

Wie viel konnten Sie aus Ihrem Beruf als Dekorateurin in die Sendung einbringen?

Mein Können und Wissen nützte bei der Renovierung, Sanierung und Neugestaltung immer viel. Mein Geschmack war jedoch zweitrangig. Schliesslich musste die Einrichtung den jeweiligen Eigentümern gefallen und nicht mir. So richtig austoben konnte ich mich darum nicht. Dafür waren die Leute nach dem Umbau ihres Eigenheims immer total begeistert. Ihre überraschten Gesichter waren die Mühe allemal Wert.

 

Sie sind ein Profi auf dem Gebiet des Wohnens. Wie kann man sich Ihre Wohnung vorstellen?

Ich mag es, wenn ständig Bewegung in die Wohnung gebracht wird. Darum gefällt es mir auch umzuziehen. Das fordert einen gerade zu auf, die Möbel umzustellen und die Einrichtung den Jahreszeiten anzupassen. Meine Wohnung sieht nie gleich aus. Im Winter verwende ich warme Farben, viele verschiedene Kissen, kuschelige Decken und Kerzen. Im Sommer setze ich jedoch auf helle Farben und keine Teppiche. Im Grossen und Ganzen würde ich meinen Stil als «Shabby Chic» bezeichnen. Mein Grundprinzip ist, nur Möbel zu haben, die man selbst bewegen kann. Ich besitze zum Beispiel viele kleine Schränke und Kommoden. Diese tausche ich dann auch gern mit Freunden. Ich finde nämlich, dass man Kunst und Möbel ruhig tauschen kann.

 

Wovon sich jeder früher oder später trennen sollte, ist meiner Meinung nach die klassische und in Deutschland überaus beliebte Wohnlandschaft.

 

Welcher ist der gravierendste Fehler, den die Menschen beim Einrichten ihrer vier Wände machen?

Ganz klar, es ist der Einheitsbrei. Ich bringe noch einmal das Beispiel mit dem Umzug, weil es einfach am besten passt: Eigentlich ist der Umzug die beste Gelegenheit, auszumisten, sich von Sachen zu trennen und einen Neuanfang zu machen. Oft versuchen die Menschen aber, ihre gesamte Einrichtung wieder genau gleich zu platzieren wie es in der vorherigen Wohnung oder im vorherigen Haus war. Besser ist es, die Möbel komplett neu anzuordnen und mit Farben zu spielen. Und wenn man schon länger nichts mehr verändert hat in den eigenen vier Wänden, dann lohnt es sich auf jeden Fall, mit fremden Augen durch die Wohnung zu gehen. Das mache ich selbst auch und entdecke dabei ständig Neues. Darum fühle ich mich immer sehr wohl in meiner Wohnung. Oft erhalte ich auch Komplimente von Gästen, die bei mir zu Besuch sind.

 

Welches Möbelstück hat nichts verloren in einer geschmackvoll eingerichteten Wohnung?

Wovon sich jeder früher oder später trennen sollte, ist meiner Meinung nach die klassische und in Deutschland überaus beliebte Wohnlandschaft. Zugegeben, dieses Möbelstück ist recht praktisch. Da die meisten aber sehr sperrig sind, beherrschen sie den ganzen Raum und machen damit den Rest der Einrichtung kaputt – nicht zuletzt aufgrund der hässlichen Muster. Was auch überhaupt nicht geht, sind blaue Sofas, die vor allem bei Männern vorzufinden sind. Ich weiss nicht, warum es so viele unschöne blaue Sofas gibt und warum die Menschen sie so sehr lieben. Meistens sind sie zudem mit einem furchtbaren, komischen Stoff bezogen. Zusammen gibt das dann eine grässliche Kombination. Da hilft ein Überwurf, der selbst auch ein ganz schlimmes Muster und eine schlimme Farbe hat, auch nicht mehr. Trotzdem wird häufig darauf zurückgegriffen. Ich bevorzuge hingegen Ledersofas. Doch auch hier ist es nicht immer einfach, das passende Objekt zu finden. Kommt eines in Frage, dann ist es alt und hat meistens Flecken oder abgenutzte Stellen. Aber so ein schönes, echtes Chesterfield Sofa, das ist einfach ein Traum.

 

Mein Grundprinzip ist, nur Möbel zu haben, die man selbst bewegen kann.

 

Das klingt danach, als hätten Sie nicht immer Glück mit diesem Möbelstück gehabt.

Das ist so. Während ich auf der Suche war, verzichtete ich auf eine Notlösung. Ich bin überzeugt, dass man sich in den meisten Fällen irgendwann mit der Notlösung zufrieden gibt und diese nie ersetzt. Ich habe lieber kein Sofa, als eines, das mir nicht passt. Ich hatte lange Zeit gar kein Sofa und habe als Alternative ein Chippendale Bett und einen XXL-Sessel in mein Wohnzimmer gestellt.

 

Wie ist der aktuelle Trend hinsichtlich Einrichtung und Dekoration?

Momentan sieht es danach aus, als hätten die Leute wieder mehr Mut für Farben und Formen. Eine Zeit lang war alles klinisch und wurde in den Farben Grau und Beige gehalten. Früher versuchte man immer alles zu ordnen – diese Zeiten sind jetzt aber vorbei. Auch Retro ist jetzt wieder stark im Kommen, jedoch nicht auf die kitschige, sondern elegante Art. Zudem spielt man heute bei der Wandgestaltung mit verschiedenen Farben und Mustern, was das Ganze viel opulenter macht.