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Wie der Dichtestress am Garten abprallt

Trends Kommt der Frühling, so kommt auch die Lust am Jäten, Säen und Ernten – und zwar immer häufiger. Experte Sebastian Morlock bekräftigt: Die grüne Branche boomt. Er erklärt, weshalb der Wunsch nach einem Garten bei vielen so gross ist und wie man das Unmögliche möglich macht.

Matthias Mehl

Ob man ihn wild wuchern lässt, künstlerisch gestaltet oder voll auf Bio setzt – ein Garten bietet schier unendliche Variationsvielfalt. Wer einen Garten hat, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Will man sich inmitten wohlduftender Blumen und Kräutern ausruhen und dem Zwitschern der Vögel lauschen oder doch lieber Akzente moderner Architektur setzen, mittels klarer Linien und Minimalismus bei der Wahl der Pflanzen? Der Garten von heute ist so individuell wie unser Kleidungsstil oder Essverhalten. Man merkt also schnell: Gärtnern ist ungebrochen im Trend. Dies bestätigt auch Sebastian Morlock, Exhibition Director der Giardina in Zürich. «Seit Aufkommen des Dichtestresses hat der Garten nochmals an Bedeutung zugenommen. Das Bedürfnis, sich zurückziehen zu können und somit dem Alltag ein Stück weit zu entfliehen ist grösser denn je», erklärt der Leiter der grössten Schweizer Indoor-Veranstaltung für das Leben im Garten. Gleichzeitig würden naturbelassene Gärten mit regionalen Pflanzen, die «gepflegt ungepflegt» erscheinen, immer häufiger gewünscht. Dabei sei nicht nur die naturnahe Gartengestaltung ein entscheidender Faktor, sondern auch die Pflegeleichtigkeit.

 

Gärtnern auf kleinstem Raum

Doch nicht nur die Zeit ist heute knapp, sondern auch der Raum. Dies stellt für die Anbieter der Branche eine echte Herausforderung dar. «Die Gartenparzellen werden immer kleiner. Trotzdem möchten die Menschen aber nicht auf einen vollwertigen Garten verzichten.» Sebastian Morlock sieht den Platzmangel jedoch nicht als Hindernis. «Klar, die Umsetzung ist um ein Vielfaches komplexer. Das heisst aber nicht, dass sie unmöglich ist», versichert der Gartenexperte. In Etagenwohnungen beispielsweise ist «Balcony Gardening» die Lösung. Dabei werden für die Lage und Witterung des Balkons geeignete Pflanzen gewählt oder automatische Bewässerungssysteme errichtet. Generell wird das Bedürfnis, das «Freiluftzimmer» ganzjährig nutzen zu können, immer grösser. Gartengestalter erhalten darum vermehrt auch für den Winter Bauanfragen. «Durch diese dauerhafte Auslastung wird die grüne Branche auf die Probe gestellt. Es entsteht eine Kurzfristigkeit, auf die sich die Firmen noch besser werden einstellen müssen», erklärt Morlock.


Da immer mehr Menschen Gefallen an einer eigenen Grünfläche finden, steigt die Nachfrage in der Gestaltung und Innovationen werden gewünscht. Eine der interessantesten Entwicklungen ist momentan die Outdoor-Küche. Möglich sei gemäss Morlock fast alles in diesem Bereich. Es gibt von der Wok-Schale bis hin zur integrierten Herdplatten-Backofen-Kombination eine bereits grosse Produktpalette. Inzwischen bieten erste Hersteller hochfunktionelle Produkte an, die gleichzeitig auch sehr schön designt sind.